Im Rahmen des internationalen Safe Abortion Days am 28. September finden bundesweit 83 Aktionen und Proteste an 54 Orten statt, teilt das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung mit. Unter dem Motto „Es reicht! Sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche – JETZT!“ wird die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, der Schutz reproduktiver Rechte und ein flächendeckender Zugang zu medizinischer Versorgung gefordert.
Schwangerschaftsabbrüche gehörten zur Gesundheitsversorgung – nicht ins Strafgesetzbuch. Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung fordert sichere, wohnortnahe und diskriminierungsfreie Zugänge für alle ungewollt Schwangeren. Besonders in aktuellen Zeiten, in denen rechte Haltungen wieder salonfähig seien, sie der Handlungsbedarf dringender denn je, sagt Eva Kubitz, eine der Organisator*innen des diesjährigen Safe Abortion Days.
In diesem Jahr jährt sich die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen zum 155. Mal. Das sind 155 Jahre Kriminalisierung zu viel. Schwangerschaftsabbrüche gehörten zur Gesundheitsversorgung und nicht ins Strafgesetzbuch. Solange der §218 bestünde, blieben Betroffene kriminalisiert und stigmatisiert. Gerade angesichts des Erstarkens rechter Kräfte brauche es jetzt den politischen Willen, reproduktive Rechte zu stärken und dauerhaft institutionell abzusichern. Denn reproduktive Rechte seien Menschenrechte und dürften nicht zum Gegenstand politischer Rückschritte werden, so das Bündnis.
Sowohl die WHO als auch der Europarat haben Deutschland bereits mehrmals für die bestehende Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen abgemahnt.
Zudem bestünde in Deutschland weiterhin eine unzureichende und regional sehr unterschiedliche Versorgungslage, kritisiert das Bündnis. Besonders in ländlichen Regionen fehlten Ärzt*innen und Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. So müssten Betroffene teilweise bis zu 120 Kilometer zurücklegen, um einen Abbruch vornehmen zu können. Deshalb fordert es:
- dass Menschen, die einen Schwangerschaftsabbruch benötigen, durch die Abschaffung von §218 StGB und §219 StGB entkriminalisiert und entstigmatisiert werden.
- dass Schwangere ortsnah die medizinische Versorgung bekommen, die sie brauchen.
- dass ein Schwangerschaftsabbruch endlich Teil der gynäkologischen Ausbildung wird.
Deutschlandweit finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die auf den Safe Abortion Day aufmerksam machen und über das Thema Schwangerschaftsabbrüche informieren. Vielerorts werden Filme gezeigt, Lesungen gehalten oder durch Gesprächsformate, Hürdenläufe oder Pubquizze auf das Thema aufmerksam gemacht. In folgenden Städten finden Aktionen statt:
- Kundgebungen, Demonstrationen und Infostände: Stuttgart, Halle, Marburg, Aachen, Münster, Freiburg, Kiel, Berlin, Krefeld, Kempten, Gera, Saarbrücken, Trier, Wuppertal, Tübingen, Hamburg
- Filmvorführungen, Lesungen und Diskussionen: München, Stuttgart, Flensburg, Heidelberg, Regensburg, Bremen, Dresden, Darmstadt, Nürnberg, Leipzig, Rostock, Obersasbach, Landau, Frankfurt am Main, Heilbronn, Lübeck, Bochum, Potsdam, Lüneburg, Würzburg, Kassel, Schwäbisch Hall, Aschaffenburg
- Kreative Aktionen und künstlerische Formate: Itzehoe, Flensburg, Erlangen, Chemnitz, Detmold, Lippstadt, Gütersloh, Villingen, Offenbach, Gießen, Köln, Recklinghausen, Hamburg, Memmingen, Augsburg; Büdelsdorf
Eine detaillierte Übersicht aller Veranstaltungen ist hier zu finden: https://safeabortionday.de/aktionen-2