München liest – aus verbrannten Büchern: Interview mit Wolfram Kastner

10. Mai 2026 auf dem Münchner Königsplatz

Am 10. Mai 2026 hat auf dem Königsplatz wie jedes Jahr die öffentliche Gedenkveranstaltung „München liest – aus verbrannten Büchern” stattgefunden. Im Rahmen eines Beitrags für Radio LORA München waren wir vor Ort:

Die Veranstaltung begann um 10 Uhr mit der Kunstaktion „Brandfleck”. Dabei hat der Künstler Wolfram Kastner, Organisator der Gedenkveranstaltung, einen Brandfleck in den Rasen des Königsplatzes gebrannt, „damit kein Gras über die Geschichte wächst“.
Von 11 – 18 Uhr lasen dann Münchner*innen aus Büchern, die von den Nazis und ihren Helfern 1933 verbrannt wurden.
Zum ersten Mal sollte auch der frisch gewählte Oberbürgermeister Dominik Krause die Lesung mit einem Auszug aus Erich Remarques „Im Westen nichts Neues“ eröffnen, der aber musste krankheitsbedingt absagen.
Wolfram Kastner bedauert das.

Soweit der Künstler Wolfram Kastner, Organisator der Gedenkveranstaltung auf dem Königsplatz.
Am 10. Mai 1933, wenige Wochen nach der Machtübergabe an die Nazis, beteiligten sich 50.000 Münchner*innen (großenteils Akademiker) an der Bücherverbrennung auf dem Königsplatz, die von Studierenden der Münchner Universitäten und dem Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) inszeniert wurde.
In München begann der Terrorakt gegen das angeblich „volkszersetzende Schrifttum“ mit einer pompösen Auftaktveranstaltung im Lichthof der Münchner Universität am 10. Mai 1933. Nach einem nächtlichen Fackelzug durch die Stadt wurde dann auf dem Königsplatz der Verbrennungsakt inszeniert, die Bücher der „Reichsfeinde“ auf den Scheiterhaufen geworfen.
Verbrannt wurden Bücher z.B. von Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Marieluise Fleisser, Erich Kästner, Mascha Kaleko, Irmgard Keun, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Erich Maria Remarque, Anna Seghers, Ernst Toller und Kurt Tucholsky. Ab März 1933 wurden in Deutschland (in über 60 Städten) und später in den besetzten Ländern Bücher und Bibliotheken verbrannt und vernichtet.
Wir haben es gehört, federführend in München bei der Verbrennung der Bücher war unter anderem die LMU. Den Organisator*innen der Gedenkveranstaltung war es deswegen besonders wichtig zu betonen, dass diesmal zum ersten Mail jemand von der Universität an der Lesung beteiligt war.

Katharina Heymann von der Gewerkschaft ver.di las aus dem Buch „Das verlorene Kind“ von Rahel Sanzara. Das Buch, ein Bestseller in der Weimarer Republik, wird übrigens neu aufgelegt und erscheint im September dieses Jahres. Es ist schön zu hören, dass Bücher wie das von Rahel Sanzara wieder aus dem Vergessen zurückgeholt werden.

Ein Beitrag von Radio LORA München